Auf einen Blick
Zu den Risikogruppen bei Corona zählen vor allem Menschen ab 60 Jahren, Personen mit chronischen Erkrankungen (Diabetes, Herzleiden, Lungenerkrankungen), Immungeschwächte sowie Schwangere. Diese COVID-19 Hochrisikopatienten haben ein statistisch nachweislich höheres Risiko für schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte. Gezielte Schutzmaßnahmen – von der Impfung bis zur Anpassung des Alltags – können das persönliche Risiko deutlich senken. Wer zur vulnerablen Gruppe gehört, sollte seinen Impfstatus regelmäßig prüfen und bei Symptomen frühzeitig ärztlichen Rat suchen.
Nicht jeder, der sich mit SARS-CoV-2 infiziert, erlebt denselben Krankheitsverlauf. Während viele Menschen COVID-19 mit milden Symptomen überstehen, landen andere auf der Intensivstation. Der entscheidende Unterschied liegt oft darin, ob jemand zu den Risikogruppen bei Corona gehört. Doch wer genau zählt dazu – und warum ist das Risiko so viel höher?
Was sind Risikogruppen bei Corona?
Als Risikogruppen bei Corona bezeichnet man Personengruppen, bei denen eine Infektion mit SARS-CoV-2 mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit zu einem schweren oder lebensbedrohlichen Verlauf führt. Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definieren diese Gruppen anhand klinischer Daten aus Millionen von COVID-19-Fällen weltweit.
Kurz gesagt: Wer zur Risikogruppe gehört, hat ein erhöhtes Risiko für Krankenhausaufenthalte, Beatmungspflicht und Tod durch COVID-19 – unabhängig davon, wie fit er sich subjektiv fühlt.
Die wichtigsten COVID-19 Risikogruppen im Überblick
Ältere Menschen ab 60 Jahren
Das Lebensalter ist der stärkste einzelne Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf. Mit zunehmendem Alter nimmt die Immunabwehr ab – ein Prozess, den Mediziner als Immunoseneszenz bezeichnen. Das bedeutet: Der Körper reagiert langsamer und weniger effektiv auf neue Erreger.
Laut RKI-Daten aus der Pandemie lag der Anteil der über 60-Jährigen an den COVID-19-bedingten Todesfällen in Deutschland bei über 90 Prozent. Das ist eine Zahl, die man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen muss.
Menschen mit chronischen Erkrankungen
Bestimmte Grunderkrankungen erhöhen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe erheblich. Dazu gehören:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck)
- Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2
- Chronische Lungenerkrankungen (COPD, Asthma bronchiale in schwerer Form)
- Chronische Nierenerkrankungen und Niereninsuffizienz
- Chronische Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose)
- Adipositas (BMI ≥ 30)
- Neurologische Erkrankungen (z. B. Demenz, Schlaganfall in der Vorgeschichte)
Immungeschwächte Personen
Menschen mit einem geschwächten Immunsystem gehören zu den am stärksten gefährdeten COVID-19 Hochrisikopatienten. Das betrifft Personen nach Organtransplantationen, Krebspatienten unter Chemotherapie, Menschen mit HIV/AIDS sowie Patienten, die dauerhaft immunsuppressive Medikamente einnehmen.
Schwangere
Schwangere – insbesondere im zweiten und dritten Trimester – haben ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe. Das liegt an physiologischen Veränderungen des Immunsystems während der Schwangerschaft. Zudem steigt das Risiko für Frühgeburten bei einer COVID-19-Infektion.
Risikofaktoren im Vergleich: Wie stark erhöht sich das Risiko?
Die folgende Tabelle zeigt, wie verschiedene Risikofaktoren das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf (Hospitalisierung oder Tod) im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhen – basierend auf Studiendaten und RKI-Auswertungen:
| Risikofaktor | Relative Risikoerhöhung (schwerer Verlauf) | Besonderheit |
|---|---|---|
| Alter 60–69 Jahre | ca. 3–5-fach erhöht | Steigt mit jedem Lebensjahrzehnt stark an |
| Alter 70–79 Jahre | ca. 8–12-fach erhöht | Kombination mit Vorerkrankungen häufig |
| Alter 80+ Jahre | ca. 20–30-fach erhöht | Höchste Sterblichkeitsrate aller Altersgruppen |
| Diabetes mellitus Typ 2 | ca. 2–3-fach erhöht | Schlechte Blutzuckereinstellung = höheres Risiko |
| Herzinsuffizienz | ca. 3–4-fach erhöht | Kombination mit Alter besonders kritisch |
| Adipositas (BMI ≥ 30) | ca. 2-fach erhöht | Auch bei jüngeren Patienten relevant |
| Immunsuppression (z. B. nach Transplantation) | ca. 5–10-fach erhöht | Impfschutz oft eingeschränkt wirksam |
| Schwangerschaft (2./3. Trimester) | ca. 2–3-fach erhöht | Erhöhtes Risiko für Frühgeburt |
Quellen: RKI COVID-19-Lagebericht, WHO Technical Report, Lancet-Studien 2020–2023. Angaben sind Näherungswerte; individuelle Risiken können abweichen.
Risikogruppen und Long COVID: Ein unterschätztes Problem
Schwere Akutverläufe sind nicht das einzige Risiko. Auch Long COVID – anhaltende Beschwerden über Wochen und Monate nach der Infektion – trifft vulnerable Gruppen überproportional hart. Fatigue, Konzentrationsprobleme (Brain Fog), Atemnot und Herzrasen sind typische Symptome.
Interessant: Long COVID betrifft nicht ausschließlich Menschen mit schwerem Akutverlauf. Auch jüngere, vorher gesunde Menschen können betroffen sein. Dennoch zeigen Studien, dass Personen mit Vorerkrankungen und ältere Menschen häufiger und länger unter Long-COVID-Symptomen leiden.
Schutzmaßnahmen für Risikogruppen: Was wirklich hilft
Impfung als wichtigste Schutzmaßnahme
Für COVID-19 Hochrisikopatienten ist die COVID-19 Impfung nach wie vor die effektivste Einzelmaßnahme zur Risikoreduktion. Studien zeigen, dass vollständig geimpfte Personen – auch in Risikogruppen – deutlich seltener schwer erkranken oder sterben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für bestimmte Risikogruppen regelmäßige Auffrischimpfungen.
Weitere Schutzmaßnahmen im Alltag
Neben der Impfung gibt es eine Reihe weiterer Maßnahmen, die das Infektionsrisiko für vulnerable Gruppen senken:
- Impfstatus aktuell halten: Prüfe regelmäßig, ob eine Auffrischimpfung empfohlen wird – besonders vor dem Herbst/Winter. Die STIKO-Empfehlungen werden laufend aktualisiert.
- Hochwertige Masken tragen: In Innenräumen mit vielen Menschen – etwa im ÖPNV, beim Arzt oder im Supermarkt – bietet eine FFP2-Maske deutlich mehr Schutz als ein einfacher Mund-Nasen-Schutz.
- Regelmäßig lüften: SARS-CoV-2 überträgt sich hauptsächlich über Aerosole. Regelmäßiges Stoßlüften in geschlossenen Räumen reduziert die Viruslast in der Luft erheblich.
- Händehygiene konsequent umsetzen: Gründliches Händewaschen (mindestens 20 Sekunden) und Händedesinfektionsmittel in öffentlichen Bereichen bleiben sinnvoll.
- Kontakte bewusst steuern: Das bedeutet nicht, sich zu isolieren – aber in Hochphasen der Infektionswellen große Menschenansammlungen in Innenräumen meiden.
- Antivirale Medikamente kennen: Für bestimmte Hochrisikogruppen stehen antivirale Medikamente (z. B. Nirmatrelvir/Ritonavir) zur Verfügung, die bei frühzeitiger Einnahme schwere Verläufe verhindern können. Sprich deinen Arzt präventiv darauf an.
- Notfallplan erstellen: Lege fest, wen du im Erkrankungsfall kontaktierst, welche Medikamente du regelmäßig nimmst und wo deine wichtigsten Gesundheitsdokumente liegen.
Isolation und Quarantäne für Risikogruppen
Die Regeln rund um Isolation und Quarantäne haben sich seit dem Höhepunkt der Pandemie deutlich verändert. Für Risikogruppen gelten jedoch besondere Empfehlungen: Wer positiv getestet wurde und zu einer vulnerablen Gruppe gehört, sollte sich konsequent isolieren und frühzeitig ärztlichen Rat suchen – auch wenn die Symptome zunächst mild erscheinen.
Mehr zu den aktuell geltenden Regelungen findest du in unserem Artikel zu den Quarantäne Regeln 2024.
Psychische Belastung: Der unterschätzte Faktor bei vulnerablen Gruppen
Wer dauerhaft zur Risikogruppe gehört, trägt eine besondere psychische Last. Die ständige Sorge vor einer Infektion, soziale Einschränkungen und das Gefühl, besonders verletzlich zu sein, können zu Angststörungen und Depressionen führen. Das ist kein Randthema – Studien zeigen, dass psychische Erkrankungen ihrerseits das Immunsystem schwächen und damit das COVID-19-Risiko weiter erhöhen können.
Mein Rat: Suche dir aktiv Unterstützung, wenn die Sorge überhandnimmt. Psychologische Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und telefonische Krisentelefone (z. B. die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111) sind niedrigschwellig erreichbar.
Häufige Fragen zu Risikogruppen bei Corona
Wer zählt zu den Risikogruppen bei Corona?
Zu den Risikogruppen bei Corona zählen ältere Menschen ab 60 Jahren, Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Lungenerkrankungen, Immungeschwächte sowie Schwangere. Diese Gruppen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe.
Ab welchem Alter gehört man zur Corona-Risikogruppe?
Das RKI sieht erhöhte Risiken ab etwa 60 Jahren. Das Risiko steigt mit jedem weiteren Lebensjahrzehnt deutlich an. Menschen ab 80 Jahren haben das höchste Risiko für schwere Verläufe und COVID-19-bedingte Todesfälle.
Sind auch junge Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet?
Ja. Auch jüngere Menschen mit schweren Vorerkrankungen wie Immunsuppression, Adipositas oder Herzinsuffizienz zählen zu den COVID-19 Hochrisikopatienten. Alter ist der stärkste Faktor, aber nicht der einzige.
Wie können sich Risikogruppen am besten vor Corona schützen?
Die wichtigsten Schutzmaßnahmen für Risikogruppen sind: Impfung auf aktuellem Stand halten, FFP2-Masken in Innenräumen tragen, regelmäßig lüften, Händehygiene einhalten und bei Symptomen frühzeitig einen Arzt aufsuchen.
Schützt die COVID-19 Impfung Risikogruppen wirklich?
Ja, die COVID-19 Impfung reduziert das Risiko für schwere Verläufe und Tod bei Risikogruppen erheblich. Sie schließt eine Infektion nicht vollständig aus, aber geimpfte Hochrisikopatienten erkranken deutlich seltener schwer als Ungeimpfte.
Was ist Long COVID und sind Risikogruppen besonders betroffen?
Long COVID bezeichnet anhaltende Beschwerden wie Fatigue, Atemnot und Brain Fog nach einer COVID-19-Infektion. Risikogruppen und ältere Menschen sind häufiger und länger betroffen, aber auch jüngere, vorher gesunde Personen können erkranken.
Müssen Risikogruppen in Quarantäne, wenn sie positiv getestet werden?
Die gesetzlichen Quarantänepflichten haben sich geändert. Für Risikogruppen wird bei positivem Test eine freiwillige Isolation und frühzeitige ärztliche Beratung empfohlen. Aktuelle Regeln findest du in unserem Artikel zu den Quarantäne Regeln 2024.